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"Marschmusik und Kameradschaft" - ein Interview mit Rainer Scheffler

Rainer Scheffler,

Du bist seit 47 Jahren Mitglied im Spielmannszug Blau-Weiß Hettstedt. Und inzwischen bist du der älteste AKTIVE Spielmann, den wir in unseren Reihen haben. Kaum jemand kennt den Spielmannszug so gut wie du. Du hast viel bewirkt und selbst als du deine aktive Meisterschaftsteilnahme aufgabst, hast du uns oft mit Rat und Tat in den Übungsstunden und Trainingslagern zur Seite gestanden, und wirst dies auch hoffentlich in Zukunft weiterhin tun. Uns interessiert deine Geschichte im Verein und deine Einschätzung zur derzeitigen Situation.

 

 

In welchem Alter bzw. Jahr bist du in den Spielmannszug eingetreten?

1964 kam ich mit 14 Jahren zum Hettstedter Spielmannszug. Davor war ich schon 3 Jahre in einem Fanfarenzug in Hettstedt. Dieser löste sich dann aber auf und daraufhin fragte ein Nachbar, ob ich Lust hätte, im SZ mitzumachen.

Was war damals der Grund dafür, was hat dich dazu bewegt?

Zum Fanfarenzug kam ich damals über die Schule, allerdings hatte ich mich speziell dafür interessiert. Es war also nicht so, dass die halbe Klasse dort mitmachte. Im Zug war ich dann auch der Jüngste; es gab nur Jungen bzw. Männer zwischen 17-19 Jahren. Dennoch machte es mir sehr viel Spaß.

Und nach dem Fanfarenzug wollte ich dann natürlich auf jeden Fall weiter machen! Musik und Marschmusik im Besonderen hat mich einfach begeistert.

Welche Funktionen hattest und hast du im Verein?

Ich habe immer Flöte und Horn gespielt. Ich kann zwar auch nach Noten trommeln, aber habe immer Auftritte als Flöter gemacht. Ich war viele Jahre lang Ausbilder und Übungsleiter im Melodiebereich, habe aber zum Beispiel auch schon mit Klaus-Dieter Graul Trommeln geübt.

 

Was hat dir die Mitgliedschaft „gebracht“ – in ein bis zwei Sätzen formuliert?

Das fällt nicht schwer zu beantworten: Das Wichtigste am Verein war und ist mir schon immer die Gemeinsamkeit und Kameradschaft. Das gibt mir sehr viel.

Was bedeutet heute der Verein für dich?

Immer noch das Gleiche. Wenn man so lange dabei ist, hängt das Herz an diesem Verein und Hobby.

Du machst also heute noch aktiv Musik?

Ja, so lange meine Finger sich bewegen können, werde ich auch weiter Musik machen!

Was bedeutet Musik generell für dich, hat sie doch in deiner Familie einen hohen Stellenwert.

Ja, ich habe immer schon musikalische Familie: Meine Schwester spielte Gitarre und hat gesungen, ich bin im Spielmannszug. Das "vererbt" man dann an die eigenen Kinder weiter: auch meine Tochter war im Spielmannszug, spielt heute mehrere Instrumente und unterrichtet zur Zeit sogar Musik.

Wie lange hast du mit deiner Tochter gemeinsam aktiv Musik gemacht?

Sandra hat mit 8 Jahren angefangen, dann haben wir 19 Jahre gemeinsam musiziert und auf dem Wettkampfplatz gestanden.

Ist die Begeisterung auch bei deinen Enkeln vorhanden?

Ja, auch meine Enkel spielen Instrumente. Als mein Enkelsohn noch kleiner war, war er immer sehr begeistert vom Hornspielen. Er ist sehr musikalisch und hat ein gutes Rhythmusgefühl. Meine Enkeltochter spielt Gitarre, kann Noten gut umsetzen. Wenn sie hier wohnen würden, wären sie bestimmt aktiv im Verein.

 

Aus der Chronik kann man entnehmen, dass der Verein einige Entwicklungen mitmachte, bevor er sich in seiner heutigen Gestalt formierte. Was sind aus deiner Sicht – und natürlich auch aus deiner Zeit – die wichtigsten Entwicklungen, oder auch schwersten Zeiten gewesen?

Die schwerste Zeit waren aus meiner Sicht die Jahre 1977-1978. Da gab es einen Knick, hauptsächlich durch vereinsinterne Unstimmigkeiten. Damals hatten der Vereinsvorstand und mehrere ältere Spielleute plötzlich aufgehört und die Situation war sehr schwierig: Wir konnten keinen Wettkampf mitmachen, da wir zu schwach besetzt waren. Wir hatten kaum junge Leute und haben daraufhin begonnen, uns verstärkt auf die Jugendarbeit zu konzentrieren.

Manfred Bergmann ist es zu verdanken, dass es weiter ging. Er hat viel viel Zeit investiert und den Verein wieder aufgebaut.

Um die Wendezeit war unsere Qualität dann auf einem recht hohen Niveau; es gab einen großen Entwicklungssprung und die Vereinsgründung folgte, was ein großer Vorteil war. Der damalige und heutige Vorsitzende Klaus-Dieter Graul hat diese Schritte in die Wege geleitet. Somit kam, dank ihm, auch die vereinsinterne Wende; eine positive Entwicklung, die mehr Entscheidungsfreiheit für den Verein erlaubte und ihn insgesamt nach vorne brachte.

 

Welche Bedeutung hatte der Spielmannszug damals in Hettstedt? Und wie schätzt du seine Wichtigkeit heute ein?

Als Klangkörper waren wir in Hettstedt und bei der Bevölkerung immer beliebt. Wir hatten viele Auftritte in der Stadt, viel Zuspruch und auch beträchtliche Unterstützung - zum großen Teil durch die Schulen, denen wir durch Werbung immer neue Mitglieder verdankten und die uns Klassen- bzw. Übungsräume zur Verfügung stellten.

Heute ist der Verein sicherlich auch wichtig, aber warum der Spielmannszug im Allgemeinen heute scheinbar nicht mehr diese Bedeutung hat, weiß ich nicht.

 

Du kennst das Problem der Personalstärke. Immer wieder sind Mitgliederrückgänge zu verzeichnen, leider am häufigsten bei den aktiven Musikern. Einem Trend, dem zumindest im Trommlerbereich momentan recht erfolgreich entgegengewirkt wird. Die Gründung der Drumline bringt neuen Schwung in vermeintlich angestaubte Spielmannsmusik. Was hältst du persönlich davon?

Ich finde es grundsätzlich gut! Dass es eine neue Entwicklung gibt, finde ich sehr positiv. Man soll die „Jungs“ sich entwickeln lassen.

Etwas Sorgen bereitet mir, dass dies eventuell eine Spaltung mit sich bringt. Dies finde ich natürlich eher gefährlich. Schade ist, dass dabei die Melodieinstrumente ins Hintertreffen geraten. Da kann es passieren, dass es eines Tages zu einem Bruch kommt. Die Flöter sehen, dass die Trommler recht erfolgreich sind, und fragen sich am Ende vielleicht, wo sie denn bleiben. Was an dieser Stelle fehlt oder benötigt wird, ist die Ausgewogenheit. Jedes Mitglied ist enorm wichtig für den Verein.

Wie siehst du die momentanen Entwicklungen des Vereins?

Ich hab so den Eindruck, dass der Verein an einem Scheideweg steht. Man hofft, dass es irgendwie weiter geht, natürlich. Aber oft ist man ratlos, wie man den Entwicklungen (Mitgliederrückgänge) entgegenwirken kann. Ausgebildete Musiker, sind oft aus beruflichen Gründen zu weit weg und können den Verein nicht mehr unterstützen, oder wollen nicht. Es ist schade, dass Leute, die eigentlich keinen Übungsleiter mehr brauchen beziehungsweise nun selbst ausbilden könnten, nicht da sind und aufgegeben haben.

 

Ist der Weg, an den „alten Formen des Spielmannswesen“ festzuhalten noch der Richtige?

Das kann man so oder so sehen. Das hängt sicherlich von den Interessen der einzelnen Leute ab. Der Musiktrend geht ja eigentlich von der Marschmusik weg. So wie wir früher davon begeistert waren und eben diese Musik auch machen wollten, so ist das heute nicht mehr gefragt. Junge Leute wollen auch mal moderne Musik machen, was auch gut ist. Wenn sich neue Entwicklungen abzeichnen, sollte man diese Wege auch gehen, bevor man ganz aufgeben müsste. Die Aktiven sollen bestimmen, was gemacht wird. Es ist nur schade, dass man kaum „Vorreiter“ hat, die Richtungen ein- beziehungsweise vorschlagen könnten – gerade im Melodiebereich.

Welche Möglichkeiten gibt es deiner Meinung nach, Leute für den Spielmannszug zu begeistern?

Das ist sehr schwer zu sagen. Neue Wege zu gehen und zum Beispiel das Instrumentarium umzustellen, ist sehr schwer und vor allem sehr teuer und ein Erfolg ist auch nicht garantiert.

 

Der Nachwuchs hat in diesem Jahr leider keine Medaille erreichen können. Wie siehst du die Entwicklung des Nachwuchs-Zuges?

Bei dem vielen „auf-Wettkampf-trimmen“ bleibt vielleicht auch manchmal der Spaß auf der Strecke und der Anreiz fehlt. Es soll ja aber Spaß machen dieses Hobby.

Die Nachwuchsgewinnung ist ja immer von großer Wichtigkeit; aber die gestaltet sich leider zunehmend schwieriger. Das liegt zum Einen sicher daran, dass es einfach weniger Kinder gibt, aber auch daran, dass immer mehr Vereine im Umfeld um Kinder werben.

Leider fehlen in einigen Jahrgängen häufig auch die Leistungsträger und oft fängt man mit den Kindern in den Übungsstunden immer wieder bei Null an. Das ist zeitaufwendig und kräfteraubend, sowohl für die Kinder als auch für die Übungsleiter.

 

Du hast in der Vergangenheit, wie bereits erwähnt, die Spielleute bei einigen Meisterschafts-vorbereitungen unterstützt. Auf solche Unterstützung von Passiven ist der Verein angewiesen. Leider ist es aber oft so, dass der Kontakt zu ehemaligen Aktiven sehr schnell abreißt. Das ist bedauernswert, sind doch diese Kontakte für einen Verein überlebenswichtig. Was kann oder muss seitens des Vereins getan werden, um diese Kontakte wieder aufzufrischen?

Vielleicht könnte man mal Treffen organisieren, um den Kontakt überhaupt wieder herzustellen, Gespräche zu führen und neue Impulse zu geben. Damit der Eine oder Andere vielleicht doch den Spaß und das Interesse wieder entdeckt. Mancher scheut sich vielleicht vor dem ersten Schritt.

 

In deiner 47-jährigen Spielmannszug-Laufbahn hast du viel erlebt. Was waren die Highlights in deinem Vereinsleben, was waren die bewegendsten Momente?

Da gab es so Vieles, das schön war; was soll man da rausnehmen? Was ich immer gerne mitgemacht habe, waren die Sportfeste; das war ein absolutes Highlight. Da traf man mit unheimlich vielen Spielleuten zusammen und es wurden Freundschaften geknüpft, die zum Teil heute noch bestehen.

Die Meisterschaften im Allgemeinen sind auch immer großartig gewesen. Wir waren „heiß“ auf den Kampf um die Medaillen und feierten abends mit allen Spielleuten zusammen.

Stell dir vor, du wärst Vereinsvorsitzender mit uneingeschränkter Befugnis. Welche Punkte würdest du umsetzen wollen?

Ich würde nichts grundsätzlich anders machen. Die Richtung des Vereins war bisher immer gut. Dass das (leider) nicht für immer so weiter gehen kann, das ist ja auch verständlich. Es kommt eben immer mal wieder eine Phase, in der es schwerer ist und man sich umstellen muss.

Aber nicht ich kann und werde am Geschick des Vereins nun etwas ändern, sondern es müssten sich junge Leute finden, im Alter von 25-30 Jahren, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen... Meckern kann jeder, aber man muss halt auch die Initiative ergreifen. Man muss sich einbringen.

 

Was wünscht du dem Verein für die Zukunft?

Alles Gute natürlich! Dass die Mitglieder und Verantwortlichen immer das Richtige zur richtigen Zeit tun.

Vor allem aber auch, dass es weiter geht und dass unsere Tradition aufrecht erhalten wird. Sonst wären die vergangen Jahre und die ganze Arbeit (ehemaliger) Mitglieder ja irgendwann umsonst gewesen.

 

Vielen Dank für das Gespräch und bis zum nächsten Trainingslager oder Vereinsausflug!

 

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Während der Schulzeit trainieren
wir jeden Freitag ab 17 Uhr in der
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In den Ferien finden üblicherweise
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Unsere Drumline trainiert in unregel-
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