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European Open Championships in Rastede

(05.07.18) „Nach der Meisterschaft ist vor der Meisterschaft.“ – Selten steckte in diesem Motto so viel Wahrheit wie in der vergangenen Woche. Nachdem wir am 23. Juni erfolgreich an der Landesmeisterschaft der Spielleute in Helbra teilgenommen hatten, standen am vergangenen Wochenende die European Open Championships in Rastede auf dem Programm. Hier starteten wir wie bereits in den Jahren zuvor in der Marsch- und Standspielbewertung.

Dass es nicht einfach wird, beide Wettkämpfe erfolgreich zu stemmen, war uns von vornherein klar. Schließlich lassen sich die beiden Wettkampfformate nur schwer miteinander vergleichen. Während es bei der Landesmeisterschaft in erster Linie um das notengerechte Spiel und das traditionelle Marschieren geht, steht bei den European Open Championships vor allem das Zusammenwirken von Musik und visuellen Effekten im Vordergrund. Demzufolge haben wir auch zwei komplett unterschiedliche Wettkampfdarbietungen einstudiert, was mit einem relativ hohen Trainingsaufwand einherging. So haben wir in letzten Monaten oftmals an einem Wochenende für die Landesmeisterschaft und am nächsten Wochenende für die European Open Championships trainiert. Das war zwar ganz schön anstrengend, aber ihr wisst ja: Ohne Fleiß keinen Preis :)

Als wir uns dann am vergangenen Samstag gegen 9.30 Uhr auf den Weg nach Rastede machten, waren wir alle guter Dinge. Wir hatten die Woche zuvor noch einmal fleißig trainiert und fühlten uns für den Wettkampf gut gewappnet. Zudem freuten wir uns darauf, die anderen Marching Bands wiederzusehen, die Jahr für Jahr eine tolle Show in Rastede abliefern. Die Fahrt verlief recht ereignislos, wenngleich sie durch die vielen Baustellen auf den Autobahnen ganze sechs Stunden dauerte.

In Rastede angekommen brachten wir zunächst unsere Sachen in die Kooperative Gesamtschule Rastede, die auch in diesem Jahr unser Quartier war. Anschließend machten wir uns zu Fuß auf den Weg zum Wettkampfplatz, wo wir uns nach den Strapazen des bisherigen Tages erst einmal ordentlich stärken. Und dazu gab es nun wirklich reichlich Gelegenheit. Egal, ob Currywurst, Steak, Burger, Pizza, Chinesisch, Gyros, Crêpes, Eis oder Süßigkeiten – es gab fast nichts, was es nicht gab. Nachdem wir ordentlich gesättigt waren, verfolgten wir noch die Qualifikation für das Finale des Showwettbewerbs, das am nächsten Tag stattfinden sollte. Dabei zeigten die Showbands aus Deutschland, den Niederlanden, Dänemark, Schweden und Polen einmal mehr, wie Musik fesseln und verbinden kann.

Unser Highlight des Tages war jedoch die abendliche Abschlussveranstaltung, bei der die Sieger der bereits entschiedenen Wettkämpfe geehrt wurden. Hierzu marschierten alle anwesenden Vereine mit eigener Musik auf dem Wettkampfplatz auf. Nach einer kurzen Ansprache folgte das gemeinsame Spiel des Titels „Ode an die Freude“, das bei vielen von uns Gänsehaut hervorrief. Wann ist man schon einmal mit dabei, wenn hunderte Musiker aus verschiedenen Ländern gemeinsam die Europa-Hymne spielen und damit an etwas erinnern, das in der letzten Zeit leider allzu oft untergeht. Nach diesem bewegenden Moment wurde die Siegerehrung vorgenommen, die zu guter Letzt noch durch ein spektakuläres Feuerwerk gekrönt wurde. Und wenn wir schreiben spektakulär, dann meinen wir auch spektakulär. An dieser Stelle ein großes Lob an die Organisatoren der Rasteder Musiktage. Auch wenn die Abschlussveranstaltung bis kurz vor Mitternacht ging und wir uns dann zügig auf unsere Luftmatratzen verkrümelten, war es einfach nur spitze.

Am nächsten Morgen klingelten bereits 6 Uhr die Wecker. Aufstehen, duschen, Haare stylen, Instrumente putzen, Wettkampfbekleidung anziehen, Steffens Kontrollstation passieren … Wie auch schon zur Landesmeisterschaft schien die Zeit wie im Flug zu vergehen. Gegen 8 Uhr marschierten wir gemeinsam zum Frühstück, bei dem jedes Öffnen eines Marmeladenpäckchens von den Sitznachbarn mit Argwohn beäugt wurde. Man könnte ja mit Marmelade um sich spritzen ;) Um 9 Uhr war es an der Zeit für ein kleines Warm-Up, bei dem noch einmal der eine oder andere Flank-Move geübt und unser Standspieltitel „Jump“ angespielt wurde. Gleich neben uns machte sich übrigens der Fanfarenzug Dresden warm. Es war schon ein seltsames Gefühl … Noch vor einigen Jahren hätten wohl kaum einer von uns gerechnet, dass wir einmal mit Fanfarenzügen wie Dresden oder Straußberg in ein und demselben Wettbewerb starten würden.

Gegen 10.30 Uhr war es dann endlich so weit. Unmittelbar nach dem Fanfarenzug Straußberg absolvierten wir unseren Marsch und unser Standspiel. Auch wenn es ein guter Umlauf war, waren wir nicht hundertprozentig zufrieden. Eine wirkliche Einschätzung traute sich allerdings keiner von uns abzugeben. Schließlich hat sich im Training immer wieder gezeigt, dass Elemente, die sich von innen seltsam anfühlen, von außen gut aussehen und umgekehrt. Von daher blieb uns nur das Warten auf die Siegerehrung. Und es war ein langes Warten. Vier Stunden lang versuchten wir uns mit dem Verfolgen der weiteren Wettkämpfe, dem leckeren Essen und dem einen oder anderen eher mittelmäßigen Witz von unserer Ungewissheit abzulenken. Der Erfolg war eher mäßig, sodass wir uns trotz der immer größer werdenden Hitze durchaus darüber freuten, kurz vor der Siegerehrung noch einmal ein kleines Konzert geben zu können.

Bei der Siegerehrung selbst ging dann alles sehr schnell. Hierzu müsst ihr wissen, dass die Siegerehrung in Rastede aufgrund der verschiedenen Wettkämpfe und Klassen grundsätzlich etwas kompliziert ist. In unserem Wettbewerb, der Marsch- und Standspielbewertung, gab es insgesamt 21 Teilnehmer in 6 Klassen (Spielmannszüge, Fanfarenzüge, Blasorchester usw.). Da wir in unserer Klasse der einzige Teilnehmer waren, kam es für uns vor allem darauf an, wie wir mit unserer Punktzahl klassenübergreifend abgeschnitten haben. Nun hatten wir aber das Problem, dass wir bei der Siegerehrung gleich als erstes genannt wurden und die Nachkommastellen unserer Punktzahl nicht richtig verstanden haben. Von daher konnten wir im weiteren Verlauf nicht genau sagen, welche der 20 anderen Marching-Bands wir hinter uns gelassen haben und welche vor uns gelandet sind. Wir haben nur mitbekommen, dass wir relativ weit vorne sind.

Und dann geschah das Unfassbare. Als am Ende der European Open Champion, also der Punktbeste aller 21 Teilnehmer genannt wurde, fiel unser Name. Wir reagierten zunächst mit einer ungläubigen Stille und dann mit einem riesigen Jubel. Wenn ihr euch das Video von der Siegerehrung anschaut, wisst ihr, was wir meinen.

Wirklich realisiert haben wir unseren Erfolg allerdings erst auf unserer Heimfahrt, die dank der späten Uhrzeit nur noch fünf Stunden dauerte. Nach und nach wurde uns bewusst, dass wir in dem vergangenen halben Jahr mit den Titeln „World Parade Band Champion“, „Landesmeister“ und „European Open Champion“ nahezu alles abgeräumt haben, was in dieser Zeit für uns möglich war. Es war keine einfache Zeit, aber mit unseren tollen Teamgeist und der Rückendeckung durch unsere Familien; Freunde und Unterstützer haben wir das irgendwie gemeistert. Wir freuen uns auf jeden Fall schon auf die nächsten blau-weißen Abenteuer – aber erst nach der Sommerpause ...

Hettstedt AHU!

 

Unser Wochenende in Bildern:

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Unsere Wettkampfdarbietung im Video:


 

Alle Ergebnisse des Wochenendes könnt ihr übrigens hier nachlesen.

 

 

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